„Ihr habt doch das Geld, ihr seid doch aus Merkel-Deutschland.. “

Hola a todos!

Ich habe nicht lange überlegen müssen, worüber ich meinen nächsten Blogeintrag schreibe. Es ist einfach zu offensichtlich und ein bekanntes Thema, welches nicht nur mit Griechenland sonder auch mit Spanien verbunden wird: die Krise.

Schon bevor ich meine Reise nach Madrid angetreten habe, wurde ich oft gefragt: “ Hast du kein schlechtes Gewissen, dass du dort als Deutsche arbeitest? Dort gibt’s doch so viele Arbeitslose. Die finden das bestimmt nicht so toll!“ und ähnliche Fragen.

Ich habe dann oft geantwortet, dass meine Arbeitsstelle nur denjenigen offen steht, die Deutsch akzentfrei und fließend können, was nur auf die wenigsten Spanier zutreffen werde. Dieser Meinung bin ich immernoch.

Aber ich muss zugeben, dass ich mir die Krise viel zu wenig ausgemalt habe und dass sie, obwohl sie ständig in den Nachrichten kommt, viel präsenter und extremer im Alltag zu sehen ist, als ich dachte.

Man sieht auch in Deutschland ab und zu Obdachlose in den Innenstädten aber das ist was anderes.

Entlang der Gran Via kann man jede 200 Meter das Schild eines Bettlers oder das „Haus“ (oftmals Kartons und Decken) von Obdachlosen betrachten. Die Meisten sitzen nur auf dem Boden aber ein paar Wenige „bieten“ auch etwas für Geld. Ein Mann zB. sitzt immer an der gleichen Stelle und hat ganz viele Zettel und eine Mappe vor sich ausgebreitet und schreibt ununterbrochen. Auf einem Schild steht etwas mit Poesie.

Ich habe das Gefühl, dass es nicht nur Drogen- oder Alkoholabhängige sind, die im sozialen System keinen Halt mehr gefunden haben. Teilweise sehen sie aus wie ärmere Familienväter, die wirklich nur ihre Arbeit verloren haben.

An den touristischen Plätzen, wie dem Plaza Mayor ist es besonders auffällig, wie viele es sind. Dort sind richtige Kartonbauten zu sehen, in denen viele dauerhaft schlafen.

Andere Plätze sind zB. Metrostationen. Es gibt viele (nicht einmal schmutzige oder in Lumpen gekleidete) Menschen, die an den Ausgängen ihre Trompete oder Geige spielen.

Einen weiteren Kontakt mit dem Thema Kriese hatte ich mit einem Freund auf dem Rastro-Flohmarkt.

Ich wollte bei einem Händler etwas kaufen aber weniger zahlen, als er verlangte. Bei meinem Versuch zu handeln hat er scheinbar mitbekommen, dass wir Deutsche sind und gab mir als Antwort: “ Ihr habt doch das Geld! Ihr kommt aus Merkel-Deutschland“.

Wir haben ihm versucht zu erklären, dass nicht alle Deutschen viel Geld haben (und ich habe zur Zeit nun wirklich nicht sehr viel Geld).

Besonders dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass die Menschen hier ziemlich frustriert und auch sauer sind.

Es hat mich auf jeden Fall sehr nachdenklich gemacht und ich wollte es mit euch teilen.

Liebste Grüße

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